Die Geschichte lehrt uns die Lektion, dass Wohlergehen, finanzieller Wohlstand, individuelle Freiheit und die Achtung der Menschenrechte eine Zivilisation ausmachen. Armut, Diktatur und Missachtung des Individuums schaffen hingegen Hass und Gewalt. Die zivilisierte Welt von heute wurde nicht zivilisiert geboren.
(frei nach Amos Oz)
© North Korean Worker 50x70 cm, C print, 7+3
Meine Arbeit selber zu beschreiben, fällt mir schwer, viel lieber lasse ich meine Bilder sprechen. Daher möchte ich mich hier auf einige Anmerkungen zur Intention meiner Arbeit und ihren gedanklichen Hintergrund beschränken.
Schon während meiner künstlerischen Ausbildungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich mich mit meiner Arbeit nicht allein an die Welt der „schönen Künste“ richten will, sondern dass meine Bilder vor allem auch dorthin gelangen sollen, wo ich sie eingefangen habe: zu den Menschen in der Welt. Seither arbeite ich daher als Fotokünstler ebenso wie als Pressefotograf – auch mit der Absicht und dem Ziel, Pressefotografie und Fotokunst auf möglichst einen Nenner zu bringen.
Den Betrachtern meiner Bilder möchte ich keine „Antworten“ auf jene sozialen und politischen Fragen liefern, die ich mir selbst im Hintergrund stelle, sondern vielmehr einen Raum öffnen zum Reflektieren verschiedener Aspekte, die in den Bildern angeschnitten sein können. Eine Prise Ironie darf dabei bisweilen enthalten sein.
Auch wehre ich mich gegen die Klischeevorstellung, dass massenmedial verbreitete (Presse-)Fotografie vor allem die Funktion habe, der breiten (und vermeintlich kritikunfähigen) Masse die Welt „wahrhaftig“ zu zeigen bzw. zu erklären. Ich habe nichts zu erklären oder gar zu verkünden und halte desgleichen nichts von Ansprüchen an die Fotografie, „Objektivität“ zu vermitteln. Fotografie ist immer (auch) subjektiv, so wie der Mensch, der sich ihrer bedient, immer ein Subjekt/Individuum ist.
Gerne gebe ich aber meine Erfahrungen, Kenntnisse und „Ansichten“ weiter, sei dies in Form von Workshops oder eben via ihrer medialen Verbreitung.
North Korea's country Panmunjeon area
Durch meine Arbeit als Pressefotograf (z.B. für La Repubblica) komme ich zudem viel in der Welt herum, was mir sehr wichtig ist, um den eigenen Standort immer wieder relativieren und den Blickwinkel erweitern zu können. Vor allem erlaubt es mir diese „angewandte“ Arbeit auch, gegenüber dem Kunst(markt)system in kritischer Distanz zu bleiben, statt mich seiner Mechanismen bedienen oder mich ihnen aussetzen zu müssen. Ich erachte das Kunstsystem primär als ein merkantiles Profilierungssystem, innerhalb dessen Künstler nur dann reüssieren (können!), wenn sie einen Gutteil ihrer Arbeitszeit in Erfolgsstrategien und Theaterspiel investieren. Selbst ziehe ich produktive Arbeit vor, deren Resultate ich gerne in unterschiedlichen Kontexten und Medien zeige, ohne sie gezielt für das Kunstsystem geschaffen zu haben.Generell stelle ich den Menschen möglichst vorurteilsfrei in das Zentrum der Betrachtung und lasse vor allem auch die Umgebung sprechen, innerhalb der diese Menschen abgebildet werden.
Luca Faccio
Wien, im Januar 2011
Thanks to
Marlen Postlmayr, Tom Grunert, Lucas Gehrmann, Christian Oberorner, Kerstin Mayrhofer, Barbara Pichler, Andrea Bertolini, Rud Klein, Marco Ansaldo, Silvia Bottino, Maria Seebauer, Peter Kurz (cyberlab),Uni.Prof.Rainer Dormels,
Andrea Bernini



